| |
Geld verdienen an der Börse ist nicht jedermanns Sache. Ein
Privatanleger, der mit Wertpapieren spekuliert, hat sich seine
Vermögensverwaltung zum Hobby gemacht. Er besitzt entweder genug
"Spielgeld", um die Risiken dieser Anlageform in Kauf zu nehmen, oder er
ist unzufrieden mit seinem monatlichen Verdienst und erhofft sich durch
geschickte Spekulation ein Zusatzeinkommen und ein wenig Nervenkitzel.
Auf jeden Fall hält er sich für etwas Besonderes und glaubt sich klüger
als seine Mitmenschen, die sich mit viel zu geringen Jahreszinsen auf
dem Sparbuch zufrieden geben.
Genau für diese Zielgruppe werden Börsenbriefe publiziert. Sie sind
ausschließlich Abonnenten zugänglich und allein schon aufgrund der hohen
Abonnementskosten, oft im dreistelligen Euro-Bereich pro Monat, nicht
jedem zugänglich. Sie erscheinen monatlich, wöchentlich oder auch
mehrmals pro Woche. Wer jeden zweiten oder dritten Tag einen
verschlossenen Umschlag mit den aktuellsten Bewertungen der Finanz- und
Wirtschaftslage in seinem Briefkasten findet, wird süchtig nach dem
Gefühl, einem besonders informierten Kreis anzugehören.
Börsenbriefe werden von erfahrenen Finanzjournalisten und
Fachbuchautoren zusammengestellt und sind oft eine ernsthafte und
seriöse Informationsquelle. Aber so exklusiv, wie die Form eines
persönlich zugestellten Briefes glauben lässt, sind sie nicht. Die zur
Verfügung gestellten Bewertungen kann sich ein informierter
Privatanleger auch über Fachzeitschriften, Bücher und das Internet
besorgen - und zwar wesentlich preiswerter. Die heißen Aktientipps in
den Briefen haben allerdings keine höhere Trefferquote als die
Einschätzungen der Analysten, die man in jedem Finanzportal zu jeder
Aktie kostenlos abrufen kann. Welcher Börsenbrief-Herausgeber würde sich
sonst noch die Mühe machen, seine Briefe zu verfassen?
Und dennoch profitieren die Abonnenten von der Publikationsform
Börsenbrief. Die regelmäßigen gewissenhaft zusammengestellten
Informationen geben dem Anleger den Kick, den er braucht, um sich tiefer
in die Themen einzuarbeiten, sich regelmäßig mit seiner Anlage zu
beschäftigen, sie zu beobachten und immer wieder neu zu bewerten. Genau
das ist notwendig, um an der Börse Erfolg zu haben.
|
|